Denn der Friede wird umfassend sein

 

 

 

«Guten Morgen sehr geehrte Damen und Herren, wir begrüssen Sie zu dieser ungewohnten Stunde zu einer Sondersendung der Tagesschau. Diese steht ganz im Zeichen der Ereignisse, welche sich während den letzten Stunden rund um den Erdball zu ereignen begonnen haben.»

 

 

  Aber, wo ist denn die Wortgewandtheit, ja Eloquenz des Moderators geblieben, mit der er in den vergangenen Jahren über den Lauf der Schweiz, Europas und der Welt berichtet hat? Sagen, dass er einen fahrigen Eindruck macht, nein, das kann man nicht. Aber unsicher ist er schon. Zum zweiten Mal nestelt er jetzt schon mit dem Zeigefinger der rechten Hand an der Kragenöffnung des Hemdes, richtet die zu seinem Markenzeichen gewordene, in grellen Farben bunt gemusterte Krawatte und fasst anschliessend an den Ohrwurm in seinem rechten Ohr. Mittels diesem werden ihm jeweils die Anweisungen des Produzenten oder der Regie zugeflüstert. Diesbezüglich scheint aber Funkstille zu herrschen. Er zuckt mit den Schultern, wirft kurz einen Blick ins Off und sagt: «Ja, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer, Sie sehen, wir sind von den Ereignissen tatsächlich auf dem falschen Fuss erwischt worden – aber …», er lächelt erleichtert, «jetzt schalten wir für einen ersten Lagebericht zu unserer Korrespondentin, welche sich an der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea befindet. Bitte Monika, was tut sich entlang des legendären 38. Breitengrades?»

 

 

 

  «Ja, lieber Felix, das wüsste ich auch gerne.

 

 

  (…)

 

© Hans Peter Flückiger